DJM 2017: Unsere Helden von Berlin - Erst rockten Sie das Schwimmbecken, dann stürmten Sie den Reichstag.

 

Toller Einsatz, neue Bestzeiten, Top-Platzierungen und Spannung pur für alle, diejenigen, die die Livestreams mitverfolgt haben.

So lassen sich die Deutschen (Jahrgangs)Meisterschaften (DM/DJM) sportlich zusammenfassen.

Und trotz des straffen Programms, das zu absolvieren war, nahmen sich unsere Schwimmerinnen und Schwimmer die Zeit,

um den Sitz des deutschen Parlaments zu besuchen, und an einer Tour durch den Reichstag teilzunehmen.

Ermöglicht hatte die Führung Marcus Held, Mitglied des Bundestages und Beauftragter für das Hallenbad der VG Rhein-Selz, dem Opptimare.

Er nahm die Gruppe der SG EWR Rheinhessen Mainz um Paul Harloff in Empfang und brachte den Sportlerinnen und Sportlern

Innenansichten des Reichstags sowie die parlamentarische Arbeit in gewohnt lockerer Art und Weise näher. Diese zeigten sich begeistert von diesem sehr

persönlichen und individuellen Blick hinter die Kulissen des Politikgeschehens.

Aufgrund ihres Erfolges konnten "leider" nicht alle unsere Schwimmerinnen und Schwimmer an diesem Punkt des Rahmenprogramms teilnehmen,

da sie sich noch für die Finalläufe am Nachmittag qualifiziert hatten. Dennoch waren die DM/DJM auch für sie eine erlebnisreiche Zeit.

Erfolgreich war sie ohnehin für alle.

Auch der Trainer schwärmt / Bericht AZ Mainz 06.06.2017

 

Von Stephan Thalmann

 

SCHWIMMEN Christian Kebers Auftritte bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften machen Hoffnung für die DM

 

BERLIN - Tim Gieshold war 2014 der Letzte, nun hat die SG EWR Rheinhessen-Mainz wieder einen Deutschen Jahrgangsmeister im Schwimmen. Einen, der womöglich eine große Zukunft vor sich hat. Mit seinen Erfolgen bei den Wettkämpfen in Berlin, gekrönt vom Sieg in der Junioren-Klasse über die 800 Meter Freistil (8:06,44 Minuten) hat Christian Keber sich selbst und seinen Trainer Lothar Schubert überrascht. Weitere Großtaten bei den offenen Deutschen Meisterschaften übernächste Woche sind durchaus möglich.

Neben seinem ersten DJM-Titel sicherte sich Keber über die 1500 und die 400 Meter Silber – und brachte Schubert ins Schwärmen: „Wie er das gemacht hat, zeigt, was er für ein toller Sportler ist.“ Der Lohn könnte für den 18-Jährigen mit der Berufung in den DSV-C-Kader bald folgen.

Die deutlichen Verbesserungen kamen nicht von ungefähr: „Nach einigen Ausfällen bis März hat er neun Wochen kontinuierlich trainiert und bei den Süddeutschen eine sehr gute Form gezeigt. Nach den 200 Metern Rücken war ich zuversichtlich.“ Es folgte ein einsames Rennen über 1500 Meter Freistil: „Er hat sich in Wetzlar mit wenig Training qualifiziert und war deshalb nicht im schnellsten Lauf. Er hat sich das Rennen hervorragend aufgeteilt.“ In der nationalen Bestenliste ist Keber nun Siebter.

Noch besser sieht es über die 800 Meter aus: „Christian hat tolle Nerven bewiesen und sein eigenes Ding gemacht, obwohl die anderen schneller angegangen sind“, lobte Schubert. Nach 300 Metern lag er weiter zurück als gedacht und erhöhte ruckartig das Tempo. „Da ist er auf eine Schwächephase von Fabio Heitkemper getroffen und hat es entschieden“, berichtete der Coach. Bundesweit waren 2017 nur vier Schwimmer schneller.

Über die 400 Meter legte er nach: „Die Aufteilung war perfekt“, konstatierte Schubert. „Von einem DM-Finale ist er dort aber noch etwas weg.“ Über die Langstrecken hingegen könnte Keber schon in zwei Wochen nachlegen: „Vielleicht kann er sich noch einmal steigern“, sagte Schubert. „Im November traue ich ihm eine tolle Kurzbahn-DM zu. Dann kommt das Abitur und man muss sehen, wie es weitergeht. Das hängt auch davon ab, was der Bundestrainer sagt.“

Neben Keber überzeugten auch die meisten anderen SG-Schwimmer. Laura Hähn (Juniorinnen) kam mit der zweitschnellsten je geschwommenen Südwest-Zeit (2:38,21) ins 200-Meter-Brust-Finale. „Dort ist sie leider eine zu energiefordernde Frequenz gegangen“, erklärte Schubert. Chidozie Özkan Okoro (Junioren) schwamm trotz lückenhafter Vorbereitung 400-Meter-Freistil-Bestzeit. Jasper Grünewald (2000) enttäuschte ein Jahr nach 1500-Meter-Silber. „Er kam wie die ganze Saison über nicht gut klar“, meinte der Trainer.

Justin Emrich (2002) verpasste sein erstes Podium knapp. Er steigerte sich von Rennen zu Rennen und schwamm über 50 Meter Schmetterling Landesrekord (26,61). Sein 100-Meter-Vorlauf war fast fehlerfrei. Dass Emrich das Finale noch schneller anging, kostete ihn um acht Hundertstel das Podest. „Auch so war es ein Riesen-Wettkampf“, betonte Schubert.

Peter Gollai verpasst die Medaille nur knapp

Auch Peter Gollai (2002) überzeugte mit Bestzeiten über alle vier Strecken. Über die 800 Meter Freistil verpasste er nur knapp eine Medaille. „Wir hätten die 200 Meter Lagen wohl abmelden sollen“, ärgerte sich Schubert. Jasmin Tommasone (2003) schaffte es ins 100-Meter-Schmetterling-Finale.

Delara Ditterichs (2005) Schmetterling-Mehrkampf-Sieg kam wenig überraschend, wohl aber die Art und Weise: „Sie ist ein Wettkampf-Typ und hat Paul Harloff und mich wieder überrascht“, staunte Schubert. Neben vier Landesrekorden verfehlte Ditterich über 200 Meter Schmetterling hauchdünn den deutschen Jahrgangsrekord. Lukas Klos (Rücken) schwamm über 200 Meter Rücken Landes-Altersklassenrekord (2:26,67), Mathis Schönung (beide 2004; Brust) verpasste das Gesamt-Podium knapp. „Alle drei haben die Kader-Normen geschafft“, freute sich der Coach.

Für Tyler Peng (2004) vom Mainzer SV war es eine besondere DJM. Da er im Sommer in die USA zieht, durfte er sich einen Mehrkampf aussuchen. In seiner Lieblingsdisziplin Schmetterling wurde er Vierter. „Das tut nicht weh, weil er 120 Prozent gegeben hat“, betonte Trainer Gabor Lakatos. „Das letzte Rennen war sehr emotional. Beim Anschlag sind mir die Tränen gekommen.“

Celia Compton, Lucas Wehler und Joshua Piel debütierten: Compton (2000; 200 Meter Schmetterling) schwamm Bestzeit. Piel (2005; Schmetterling-Mehrkampf) wurde Zehnter. Wehler (2003) landete bei seinen sieben Starts im Bereich der Bestzeiten. Sonja Lunkenheimer (Junioren) und Jonas Wahle (1999) steigerten ihre Meldezeiten. Moritz Meder (2000) verpasste seine. Der Trainer zog ein positives Fazit: „Ich bin sehr zufrieden, auch wenn es an manchen Stellen besser laufen kann. Die drei Debütanten haben es super gemacht.“

© Lucas Schauer - Created by Lucas Schauer